Wenn ich an Chile denke, sehe ich nicht nur die schroffen Andengipfel oder die endlosen Küstenlinien vor mir. Ich sehe die sanften Hügel der Weinregionen, über und über mit Weinreben bedeckt, die im warmen Licht der untergehenden Sonne golden leuchten. Ein Hauch von Toskana in Südamerika.
In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich Chile vom Geheimtipp zum absoluten Hotspot für Weinliebhaber entwickelt. Drei Regionen stechen dabei besonders hervor: Das Valle de Casablanca mit seinen eleganten Weißweinen, das legendäre Maipo-Tal als Wiege des chilenischen Weinbaus und das prestigeträchtige Colchagua-Tal, das für einige der besten Rotweine der südlichen Hemisphäre bekannt ist.
Als ich zum ersten Mal durch die Weinberge dieser Regionen fuhr, verstand ich sofort, warum chilenische Weine weltweit so geschätzt werden. Die Kombination aus idealen klimatischen Bedingungen, innovativen Winzern und einer fast besessenen Leidenschaft für Qualität schafft Weine, die mit den besten der Welt mithalten können, und das oft zu einem Bruchteil des Preises.

Valle de Casablanca: Das Paradies für Weißwein-Liebhaber
Etwa eine Stunde nordwestlich von Santiago, auf halber Strecke nach Valparaíso, liegt das Valle de Casablanca. Was dieses Tal so besonders macht, ist seine einzigartige geografische Lage: Zwischen den Anden und dem Pazifischen Ozean gelegen, wird es von kühlen Meeresbrisen durchströmt, die morgens oft einen dichten Nebel mit sich bringen. Diese klimatischen Bedingungen sind wie geschaffen für Weißweine.
Das Casablanca-Tal gilt als Chiles erste und berühmteste Kühlklima-Weinregion. Erst seit den frühen 1990er Jahren wird hier Wein angebaut, in einem Land, das zuvor hauptsächlich für seine Rotweine bekannt war. Heute ist Casablanca das Synonym für chilenischen Sauvignon Blanc und Chardonnay.
Die Rebsorten: Weiß ist König
Im Casablanca-Tal dominieren eindeutig die weißen Rebsorten. Der Sauvignon Blanc macht hier etwa die Hälfte der gesamten Anbaufläche aus und besticht durch seine lebendige Säure, intensive Fruchtaromen von Stachelbeere und Grapefruit sowie eine markante Mineralität. Diese Weine sind erfrischend, zugänglich und perfekt für warme Sommertage.
Auch der Chardonnay gedeiht hier prächtig. Anders als die butterigen, stark vom Holz geprägten Chardonnays aus wärmeren Regionen, sind die Casablanca-Versionen eleganter, mit einer subtilen Cremigkeit und Noten von grünem Apfel, und Zitrusfrüchten.
Überraschenderweise wachsen in den höheren, wärmeren Lagen auch einige hervorragende Rotweine, insbesondere Pinot Noir, Merlot und Syrah. Der kühle Einfluss des Pazifiks sorgt dafür, dass diese Trauben langsam reifen und ihre Säure behalten, was ein Schlüssel für ausgewogene, elegante Rotweine ist.
Die besten Weingüter im Casablanca-Tal
Viña Casas del Bosque
Casas del Bosque, gelegen auf der ehemaligen Hacienda Santa Rosa, verbindet Tradition mit Innovation auf beeindruckende Weise. Die Winzer hier praktizieren die nächtliche Weinlese. Die Trauben werden in den kühlen Nachtstunden geerntet, um ihre Frische und Aromatik zu bewahren.
Die Touren bei Casas del Bosque sind erstklassig. Du beginnst mit einem Spaziergang durch die Weinberge, wo dir die verschiedenen Rebsorten erklärt werden. Besonders spannend ist der Besuch der Kellerei, wo du den gesamten Produktionsprozess von der Gärung bis zur Reifung verfolgst.
Das Highlight? Die Verkostung findet im hauseigenen Gourmet-Restaurant Tanino statt, das für seine exquisiten, auf die Weine abgestimmten Gerichte bekannt ist. Probiere unbedingt den Sauvignon Blanc Gran Reserva, einer der besten Weißweine, die ich in Chile getrunken habe.
Preise & Praktisches:
- diverse Weintouren werden angeboten, u.a. auch mit dem Fahrrad
- Öffnungszeiten: Täglich 10:00-18:00 Uhr (Reservierung empfohlen)
- Anfahrt: 1 Stunde von Santiago, gut ausgeschildert an der Ruta 68
Viña Emiliana
Wenn du dich für nachhaltigen Weinbau interessierst, ist das Weingut von Emiliana ein absolutes Muss. Sie sind der Vorreiter in Sachen biologisch-dynamischer Landwirtschaft in Chile und es wird komplett auf synthetische Pestizide und Herbizide verzichtet. Stattdessen setzt man auf natürliche Methoden: Alpacas und Lamas grasen zwischen den Reben und helfen bei der Unkrautbekämpfung, während Falken und Eulen Nagetiere in Schach halten.
Die Touren bei Emiliana sind lehrreich und zeigen eindrucksvoll, wie Qualität und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können. Du wanderst durch die biodynamischen Weinberge, besuchst den Komposthügel und lernst die tierischen Helfer kennen. Die Verkostung umfasst vier Weine der Premium-Linie „Coyam“ und „Gé“.
Preise & Praktisches:
- Biodynamische Tour mit Verkostung: 42.990 CLP (etwa 40 €)
- Tipp: Besuche das Weingut unter der Woche, dann ist es deutlich ruhiger
Viña Indomita
Indomita ist der Inbegriff von Weintourismus-Architektur. Das Weingut thront auf einem Hügel und bietet einen spektakulären 360-Grad-Blick über das gesamte Casablanca-Tal. Der Weinkeller ist teilweise in den Fels gehauen, was für eine natürliche Kühlung sorgt und ziemlich beeindruckend aussieht.
Hier kannst du zwischen verschiedenen Erlebnissen wählen: Von klassischen Weinproben über Reitausflüge durch die Weinberge bis hin zur Teilnahme an der Weinlese im März und April. Die Terrasse des Restaurants ist der perfekte Ort für ein entspanntes Mittagessen mit Weinbegleitung.

Viña Mar
Mitten im Casablanca-Tal, dort wo pazifische Brisen durch 274 Hektar Weinberge streichen, liegt Viñamar, ein Weingut, das beweist, dass Chile nicht nur großartige Stillweine kann. Seit 2010 haben sich die Macher hier den Schaumweinen verschrieben, und zwar mit einer Leidenschaft, die man in jedem Glas spürt.
Die Philosophie? Für jeden Stil gibt es den passenden Viñamar-Schaumwein. Vom klassischen Brut über den fruchtigen Rosé bis hin zum Viñamar ICE, einem erfrischenden Schaumwein, der tatsächlich mit Eiswürfeln serviert wird und perfekt zu den warmen chilenischen Sommernächten passt. Traditionelle Methoden treffen hier auf moderne Kreativität, und das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Was Viñamar besonders macht, ist die Casa Viñamar selbst: ein wunderschönes Haus im marokkanischen Stil, in dem du nicht nur die Schaumweinproduktion hautnah erleben kannst, sondern auch im Restaurant „Macerado“ die regionale Küche genießen kannst. Das Weingut wurde übrigens international für seine nachhaltigen Tourismuspraktiken ausgezeichnet, was zeigt, dass hier nicht nur guter Wein, sondern auch Verantwortung großgeschrieben wird.
So erkundest du das Casablanca-Tal
Option 1: Tagesausflug von Santiago
Die einfachste Variante ist ein organisierter Tagesausflug von Santiago aus. Zahlreiche Anbieter bieten Touren an, die 2-3 Weingüter besuchen, Transport und oft auch ein Mittagessen beinhalten.
- Empfohlener Anbieter: Chile Wine Tours, Bodega Wine Tours
- Preis: ab 120€ pro Person
- Dauer: 8-9 Stunden (mit Hotel-Abholung)
Option 2: Mietwagen
Wenn du flexibel sein möchtest, miete dir ein Auto. Die Fahrt von Santiago dauert etwa eine Stunde über die gut ausgebaute Ruta 68 Richtung Valparaíso. Die Weingüter sind gut ausgeschildert, und die Straßen zwischen ihnen sind in gutem Zustand.
Wichtig: Bestimme vorher einen Fahrer, der keinen Alkohol trinkt! Die chilenische Polizei führt häufig Alkoholkontrollen durch, und die Strafen sind drakonisch.
Option 3: Übernachtung vor Ort
Mehrere Weingüter bieten mittlerweile auch Übernachtungsmöglichkeiten an. Das gibt dir die Möglichkeit, morgens entspannt durch die Weinberge zu spazieren und abends bei einem Glas Wein den Sonnenuntergang zu genießen.
- Empfehlung: Matetic Vineyards (luxuriös, ab 180.000 CLP/Nacht) oder Casa del Bosque Lodge (gemütlich, ab 90.000 CLP/Nacht)

Maipo-Tal: Die Wiege des chilenischen Weins
Nur 30 Minuten südlich von Santiago gelegen, ist das Valle de Maipo die älteste und traditionsreichste Weinregion des Landes. Hier begann im 19. Jahrhundert die Geschichte des chilenischen Weinbaus, als Don Melchor Concha y Toro französische Reben aus Bordeaux importierte und in Pirque pflanzte.
Das Maipo-Tal erstreckt sich entlang des gleichnamigen Flusses und profitiert von einem idealen mediterranen Klima: Heiße, trockene Sommer und kalte, feuchte Winter. Die Nähe zu den Anden sorgt für kühle Nächte, die den Trauben helfen, ihre Säure zu bewahren, während die intensiven Sonnenstunden komplexe Aromen entwickeln.
Die Rebsorten: Cabernet Sauvignon ist König
Das Maipo-Tal ist das Zentrum der chilenischen Cabernet Sauvignon-Produktion. Die Böden sind eine Mischung aus Lehm, Kies und vulkanischem Gestein und wie geschaffen für diese edle Rebsorte. Die Maipo-Cabernets sind vollmundig, tanninreich und von dunklen Fruchtaromen geprägt: schwarze Johannisbeeren, Brombeeren, dazu Noten von Zedernholz, Tabak und manchmal einem Hauch von Eukalyptus.
Neben Cabernet Sauvignon gedeihen hier auch Merlot, Syrah und Carménère. Letztere ist besonders interessant: Diese fast ausgestorbene französische Rebsorte wurde in Chile wiederentdeckt und hat hier eine zweite Heimat gefunden. Carménère-Weine sind geschmeidig, fruchtbetont mit charakteristischen Aromen von schwarzen Früchten und Schokolade.
Die legendären Weingüter im Maipo-Tal
Viña Concha y Toro
Concha y Toro ist nicht nur das größte und bekannteste Weingut Chiles – es ist eine Institution. Mit Exporten in über 135 Länder ist es einer der wichtigsten Weinproduzenten Lateinamerikas. Das historische Gut in Pirque ist ein Muss für jeden Chile-Besucher.
Die Hauptattraktion ist die legendäre „Casillero del Diablo“: der Teufelskeller. Die Geschichte geht so: Don Melchor bemerkte Ende des 19. Jahrhunderts, dass seine besten Weine aus dem Keller verschwanden. Um die Diebstähle zu stoppen, streute er das Gerücht, dass im Keller ein Teufel hause, der die Weine bewache. Der Plan funktionierte und heute ist „Casillero del Diablo“ eine der erfolgreichsten Weinmarken weltweit.
Du kannst an einer Premium-Tour teilnehmen. Du beginnst mit einem Spaziergang durch die prächtigen Gärten der ehemaligen Sommerresidenz der Familie Concha y Toro, besuchst dann die mystische unterirdische Bodega und endest im Sortengarten mit 26 verschiedenen Rebsorten.
Die neue „Sensory Experience“ im Casillero del Diablo ist wirklich beeindruckend. Es ist eine immersive Show mit Licht, Ton und (natürlich) Wein, die die Legende zum Leben erweckt. Danach geht’s zur Verkostung von vier Premium-Weinen, darunter Reservas und Gran Reservas.
Preise & Touren:
- Premium-Tour : 50.000 CLP (ca. 54 €) – Erweiterte Tour mit 4 Premium-Weinen
- Exklusiv-Tour „Don Melchor“: 100.000 CLP (ca. 108 €) – Führung mit Icon-Weinen und Käsepairing
Wichtige Infos:
- Adresse: Av. Virginia Subercaseaux 210, Pirque
- Täglich geöffnet, Touren zwischen 10:00-17:00 Uhr
- Unbedingt vorher online reservieren
- Transport von Santiago: Organisierte Touren ab 73.000 CLP (inkl. Abholung) oder Uber/Taxi für ca. 15.000 CLP
- Tipp: Die Mittagstouren sind oft überlaufen – komm früh morgens oder gegen 16 Uhr

Viña Santa Rita
Santa Rita ist das zweitgrößte Weingut Chiles und liegt malerisch am Fuße der Anden. Die historische Hacienda aus dem Jahr 1880 ist wunderschön erhalten und beherbergt heute ein Museum über die chilenische Geschichte und den Weinbau.
Was Santa Rita besonders macht, ist die „120“-Linie, benannt nach den 120 Patrioten, die während der Unabhängigkeitskriege auf dem Gut Zuflucht fanden. Diese Weine sind hervorragend und international mehrfach ausgezeichnet.
Die Touren bei Santa Rita sind weniger touristisch als bei Concha y Toro, dafür persönlicher und detaillierter. Du besuchst nicht nur die Weinkeller, sondern auch das hauseigene Museum, das die Geschichte des Guts und der chilenischen Unabhängigkeit erzählt. Im Restaurant „Doña Paula“ kannst du traditionelle chilenische Küche mit Weinbegleitung genießen.
Preise & Praktisches:
- Standard-Tour mit Verkostung: 27000 CLP (ca. 26 €)
- Premium-Tour mit Museum: 50.000 CLP (ca. 48 €)
- Adresse: Camino Padre Hurtado 0695, Alto Jahuel, Buin
Viña Cousiño Macul
Cousiño Macul ist Chiles ältestes familiengeführtes Weingut, seit 1856 in Familienbesitz und mittlerweile in der sechsten Generation. Die Geschichte dieses Weinguts ist faszinierend: Als während der Reblausplage Ende des 19. Jahrhunderts europäische Weinberge vernichtet wurden, war Chile aufgrund seiner geografischen Isolation verschont geblieben. Cousiño Macul konnte sogar Rebstöcke zurück nach Europa exportieren.
Die Touren hier sind intim und authentisch. Du fühlst dich nicht wie ein Tourist, sondern wie ein Gast der Familie. Die Verkostung findet oft im historischen Weinkeller statt, umgeben von Fässern, die teilweise über 100 Jahre alt sind.
Der „Antiguas Reservas Cabernet Sauvignon“ ist ihr Flaggschiff, ein klassischer chilenischer Cabernet mit perfekter Balance zwischen Frucht, Tanninen und Säure. Unbedingt probieren!
Preise & Praktisches:
- Klassische Tour: 26500 CLP (ca. 25 €)
- Premium Tour mit 6 Weinen: 45000 CLP (ca. 44 €)
- Nur nach Reservierung (oft Wochen im Voraus ausgebucht)
- Adresse: Av. Quilín 7100, Peñalolén, Santiago
Maipo-Tal erkunden: Praktische Tipps
Tagestouren ab Santiago
Das Maipo-Tal ist so nah an Santiago, dass sich Tagesausflüge perfekt anbieten. Viele Anbieter kombinieren 2-3 Weingüter an einem Tag.
- Anbieter: Maipo Valley Wine Tours, Bodega Wine Tours, Chilean Wine Tours
- Beliebte Kombination: Concha y Toro + Santa Rita + Cousiño Macul
- Preis: ab 200 USD pro Person inkl. Transport, Führungen und Mittagessen
- Dauer: 7-8 Stunden
Mit dem Uber/Taxi
Wenn du nur ein oder zwei Weingüter besuchen möchtest, ist Uber oder ein privates Taxi eine gute Option. Von Santiago nach Pirque (Concha y Toro) kostet es etwa 25.000 CLP (25 €) pro Fahrt. Vereinbare mit dem Fahrer, dass er auf dich wartet – das kostet extra, ist aber oft günstiger als zwei separate Fahrten.
Colchagua-Tal: Chiles Premium-Rotwein-Region
Etwa zweieinhalb Stunden südlich von Santiago liegt das Colchagua-Tal – und hier wird es ernst. Während Casablanca für seine Weißweine und Maipo für seine Tradition bekannt ist, ist Colchagua das Epizentrum der chilenischen Spitzenweine. Diese Region produziert einige der besten und teuersten Weine des Landes, die regelmäßig bei internationalen Verkostungen Bestnoten erhalten.
Das Tal erstreckt sich von den Anden im Osten bis fast zur Pazifikküste im Westen. Die geografische Vielfalt schafft verschiedene Mikroklimata und Terroirs, was eine breite Palette an Weinstilen ermöglicht. Die Stadt Santa Cruz ist das Zentrum der Region und ein charmantes Städtchen mit kolonialem Flair.
Die Rebsorten: Carménère findet hier seine Heimat
Colchagua ist weltberühmt für seinen Carménère. Diese Rebsorte, die in Frankreich fast ausgestorben war, hat in den warmen, sonnigen Tälern von Colchagua ihre perfekte Heimat gefunden. Die Weine sind reichhaltig, samtig, mit Aromen von schwarzen Kirschen, Brombeeren, Schokolade und dem charakteristischen Hauch von grünem Paprika.
Aber auch Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah erreichen hier Weltklasse-Niveau. Die langen, warmen Sommer und die kühlen Einflüsse von Pazifik und Anden sorgen für perfekt ausgereifte Trauben mit konzentrierten Aromen und ausgezeichneter Struktur.
Die Topweingüter im Colchagua-Tal
Viña Montes
Montes ist mein absolutes Lieblings-Weingut in Colchagua, und vermutlich in ganz Chile. Die Lage in Apalta ist atemberaubend: Die Weinberge erstrecken sich über steile Hänge mit Blick auf das gesamte Tal. Die Architektur des Hauptgebäudes ist spektakulär, inspiriert von Feng-Shui-Prinzipien, mit Wasser als zentralem Element.
Was Montes besonders macht: Sie waren Pioniere der chilenischen Premium-Wein-Revolution. In den 1980er Jahren, als Chile noch für Massenweine bekannt war, produzierten die vier Gründer von Montes den ersten chilenischen Premium-Wein. Heute gehören ihre Icon-Weine – „Montes Alpha M“, „Purple Angel“ und „Folly“ – zu den besten der Welt.
Die Tour bei Montes ist ein Erlebnis. Du beginnst mit einer Fahrt im Geländewagen durch die steilen Weinberge bis zu einem Aussichtspunkt mit spektakulärem Panoramablick. Danach geht’s in den Weinkeller, wo in den Fassräumen leise gregorianische Gesänge laufen, denn die Winzer glauben, dass die Musik die Weine positiv beeinflusst.
Ein Highlight ist der Besuch bei den Lamas und Alpakas, die zwischen den Reben grasen und für natürliche Schädlingsbekämpfung sorgen. Und dann die Verkostung: Vier exzellente Weine, darunter mindestens ein Icon-Wein, begleitet von Käse und anderen Leckereien.
Praktische Infos:
- Adresse: Parcela 15, Millahue de Apalta, Santa Cruz
- Täglich geöffnet, Reservierung erforderlich
- Telefon: +56 72 281 7815
Restaurant-Tipp: Das Fuegos de Apalta wird vom legendären argentinischen Koch Francis Mallmann geführt und ist eines der besten Restaurants in der Region. Die Speisen werden über offenem Feuer zubereitet, und die Weinbegleitung ist exquisit. Reservierung Wochen im Voraus notwendig!

Viña Viu Manent
Viu Manent ist ein traditionsreiches Familienweingut und das historische Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert ist wunderschön erhalten. Der älteste Weinkeller der Region befindet sich hier, und bei der Tour lernst du nicht nur über Wein, sondern auch über die Geschichte der Region.
Die Weine von Viu Manent sind exzellent und oft günstiger als vergleichbare Qualität von anderen Weingütern. Der „Viu 1“ ist ihr Flaggschiff – ein Carménère-dominierter Blend, der regelmäßig viel Lob bei internationalen Kritikern erhält.
Preise & Praktisches:
- Standard-Tour: 38000 CLP (ca. 36 €)
- Website: www.viumanent.cl
Viña VIK
VIK ist das modernste und luxuriöseste Weingut im Colchagua-Tal. Der norwegische Millionär Alexander Vik baute hier sein Traum-Weingut, was gleichzeitig auch ein (sehr teures) Hotel ist, ein futuristisches titanverkleidetes Gebäude, das aussieht wie ein UFO, das in den Weinbergen gelandet ist.
Die Weinberge sind nach modernsten ökologischen Prinzipien angelegt, mit biodynamischem Anbau und minimalem Eingriff. Das Ergebnis: Weine von außergewöhnlicher Komplexität und Eleganz. Der „VIK“ ist ihr Icon-Wein und kostet je nach Jahrgang zwischen 150-300 USD.
Casa Silva
Casa Silva ist ein charmantes, familiengeführtes Weingut, das seit 1892 in Familienbesitz ist. Anders als die modernen Megaweingüter hat Casa Silva einen rustikalen, authentischen Charme bewahrt.
Die Weine sind hervorragend und preiswert. Der „Carménère Gran Reserva“ kostet im Weingut nur etwa 15.000 CLP.
Preise & Praktisches:
- Standard-Tour mit Verkostung: 22.000 CLP (ca. 21 €)
Colchagua-Tal erkunden: So machst du es richtig
Option 1: Mehrtägiger Aufenthalt in Santa Cruz
Meine Empfehlung: Übernachte mindestens zwei Nächte in Santa Cruz und erkunde die Region in Ruhe. Das gibt dir die Möglichkeit, 4-5 Weingüter zu besuchen, ohne hetzen zu müssen.
Unterkunft-Empfehlungen:
- Hotel Santa Cruz Plaza (4):* Zentral gelegen, ab 80.000 CLP/Nacht, mit eigenem Wein-Museum und Casino
- Noi Blend Colchagua (4):* Mitten in den Weinbergen, ab 120.000 CLP/Nacht, mit Pool und Spa
- Viña La Playa Hotel: Direkt auf einem Weingut, ab 95.000 CLP/Nacht, authentisches Erlebnis
Option 2: Tagesausflug von Santiago
Wenn du wenig Zeit hast, ist ein Tagesausflug möglich – allerdings sind das dann jeweils 2,5 Stunden Fahrt pro Richtung, was anstrengend sein kann.
- Typischer Ablauf: 8:00 Abholung Santiago, 10:30 erstes Weingut, 12:30 zweites Weingut mit Mittagessen, 15:00 drittes Weingut, 19:30 zurück in Santiago
- Preise ab 200 USD
- Empfehlung: Nur wenn du wirklich keine Zeit für eine Übernachtung hast
Option 3: Selbstfahrer
Mit dem Mietwagen bist du flexibel, musst aber bedenken, dass Weinverkostungen und Autofahren nicht kompatibel sind. Entweder ihr seid zu zweit, oder ihr bucht vor Ort einen Fahrer-Service.
- Fahrtzeit Santiago-Santa Cruz: 2,5 Stunden über die Ruta 5 Sur, dann I-90
- Lokaler Fahrer-Service in Santa Cruz: 40.000-60.000 CLP (ca. 43-65 €) für einen Tag
- Fahrrad-Touren zwischen Weingütern: Beliebte Alternative, 35.000 CLP (ca. 38 €) mit Guide
Das Weinlesefest im Colchagua-Tal
Wenn du zwischen Februar und Mai in Chile bist, solltest du versuchen, eines der Weinlesefeste zu besuchen. Das größte findet jedes Jahr Anfang März in Santa Cruz statt und ist ein dreitägiges Festival mit Weinverkostungen, traditioneller Musik, Essen und Kultur.
- Fiesta de la Vendimia Colchagua: Jährlich Anfang März auf der Plaza de Armas von Santa Cruz
- Programm: Verkostungsstände von über 30 Weingütern, Live-Musik, chilenisches Rodeo, gastronomisches Angebot
- Eintritt: Meist kostenlos, Verkostungen einzeln bezahlt (ca. 2.000-5.000 CLP pro Glas)
- Tipp: Hotels frühzeitig buchen, da die Stadt voll ist

Praktische Reisetipps für Chiles Weinregionen
Beste Reisezeit
Hauptsaison (Dezember-März): Sommer in Chile, perfektes Wetter, aber auch die meisten Touristen. Die Weinlese findet zwischen Februar und April statt – ein besonderes Erlebnis, aber die Weingüter sind beschäftigt.
Nebensaison (April-Mai & September-November): Meine Lieblingszeit! Das Wetter ist immer noch gut, die Weinberge färben sich im Herbst bunt, und es ist deutlich ruhiger. Die Preise sind oft 20-30% günstiger.
Wintersaison (Juni-August): Kann kalt und regnerisch sein, aber viele Weingüter haben trotzdem geöffnet. Perfekt für Schnäppchenjäger und alle, die die Weingüter fast für sich allein haben möchten.
Transport zwischen den Regionen
Die drei Weinregionen liegen in verschiedenen Richtungen von Santiago:
- Casablanca: 1 Stunde nordwestlich (Richtung Valparaíso)
- Maipo: 30 Minuten südlich
- Colchagua: 2,5 Stunden südlich
Du kannst an einem Tag Maipo und Casablanca kombinieren (morgens Casablanca, nachmittags Maipo), aber Colchagua verdient mindestens eine Übernachtung.
Budget-Planung
Budget-Option (Tagesausflug):
- Organisierte Gruppentour: 80.000-100.000 CLP (ca. 86-108 €)
- Inkludiert: Transport, 2-3 Weingüter, Mittagessen
- Spart Geld, aber weniger flexibel
Mittelklasse-Option:
- Mietwagen + Self-guided Touren: 150.000-200.000 CLP (ca. 162-216 €) für 2 Personen/Tag
- Inkludiert: Auto, Benzin, Weingut-Eintritt (3x 15.000 CLP), Mittagessen
- Mehr Flexibilität, aber Alkohol+Fahren ist problematisch
Luxus-Option:
- Private Tour mit Fahrer: 250.000-400.000 CLP (ca. 270-432 €) für 2 Personen/Tag
- Inkludiert: Privater Van mit Fahrer, maßgeschneiderte Route, Premium-Weingüter
- Maximale Flexibilität und Komfort, kein Stress
Verkostungs-Etikette & Tipps
Spucken ist erlaubt (und empfohlen): Bei jeder professionellen Verkostung stehen Spucknäpfe bereit. Wenn du mehrere Weine probierst, solltest du nicht alles austrinken, denn du wirst sonst schnell betrunken.
Trinkgeld: In Chile ist Trinkgeld für Tour-Guides üblich, aber nicht verpflichtend. 5.000-10.000 CLP (5-11 €) pro Person ist angemessen, wenn dir die Tour gefallen hat.
Wein kaufen: Die Preise in den Weingütern sind oft höher als im Supermarkt oder Fachhandel in Santiago, denn du zahlst für das Erlebnis. Aber: Limitierte Editionen und Icon-Weine gibt es oft nur im Weingut. Manche bieten jedoch Rabatte an, wenn du mehrere Flaschen kaufst.
Reservierungen: Immer vorher reservieren! Gerade bei beliebten Weingütern wie Montes, VIK oder Concha y Toro sind spontane Besuche oft nicht möglich.
Kombinationsmöglichkeiten
Wein + Valparaíso: Perfekte Kombi! Besuche morgens 1-2 Weingüter im Casablanca-Tal und verbringe den Nachmittag/Abend im bunten Valparaíso. Die Hafenstadt mit ihrer Street Art und den historischen Hügeln ist nur 30 Minuten von Casablanca entfernt.
Wein + Anden: Von Santiago aus kannst du einen Weingut-Besuch im Maipo-Tal mit einem Ausflug in die Berge verbinden.